Interview im Küsnachter 11.06.2025

Medienmitteilung

Interview im Küsnachter 11.06.2025

Interview im Küsnachter 11.06.2025, erstellt von Lorenz Steinmann mit Küsnachter GLP Präsidentin Rebekka Gemperle

Parteipräsidentin, dazu noch Co-Präsidentin der seniorGLP Kanton Zürich und im GLP-Vorstand Kanton Zürich. Sind das nicht undankbare Jobs, die vor allem viel Arbeit geben?
Wie geht das zeitlich für Sie auf?

Ich mache das aus Überzeugung – sonst hätte ich diesen Weg nicht eingeschlagen. Das Wichtigste ist für mich, mit meiner politischen Arbeit der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Vielleicht ist es nur ein einzelner Tropfen – aber auch viele Tropfen füllen ein Glas. Und oft braucht es genau diese kleinen Impulse, um etwas Größeres in Bewegung zu setzen. „Seit meiner ordentlichen Pensionierung arbeite ich Teilzeit, was mir Raum für mein politisches Engagement lässt – zumal die meisten Sitzungen abends stattfinden. Anstrengend wird es, wenn über Wochen fast jeder Abend und auch der Samstag verplant sind.

Sehen Sie das Amt der Parteipräsidentin als eine Art Sprungbrett für Ihre politischen Ambitionen?

Nein, ganz und gar nicht. Ich werde nächsten Monat 70 – da geht es eher ums Zurückschalten als ums Aufbauen. Gerade weil ich keine persönlichen politischen Ambitionen mehr verfolge, kann ich vieles mit mehr Gelassenheit sehen, bin frei von Druck und kann meine Haltung umso klarer vertreten.

Wie würden Sie sich persönlich politisch verorten? Mehr G=Grün oder mehr L=liberal?

In erster Linie bin ich überzeugtes Mitglied der Grünliberalen – weil die Partei wirtschaftliche Vernunft mit ökologischer Verantwortung und gesellschaftlicher Offenheit verbindet.

Ich komme selbst aus einem familiengeführten KMU-Umfeld und habe im Gesundheitswesen viele Jahre in leitender Position gearbeitet. Diese Erfahrungen haben mich geprägt: Ich weiß, wie wichtig unternehmerische Freiheit, Eigenverantwortung und Effizienz sind – gerade auch in einem so sensiblen Bereich wie der Gesundheit.

Gleichzeitig sehe ich, dass eine moderne Gesellschaft soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit braucht. Deshalb engagiere ich mich bei der GLP: Sie steht für echte Gleichstellung, faire Chancen für alle und konkrete familienfreundliche Rahmenbedingungen – wie etwa Kita-Subventionen, die Einführung der Individualbesteuerung oder mehr Familienzeit.

Wenn ich mich politisch verorten soll, dann eher beim „L“ – mit einem klaren Blick für die Balance zwischen Freiheit und Verantwortung.

Sie arbeiten als Beraterin Gesundheitswesen und als Dozentin. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Kein Tag gleicht dem anderen. Manchmal ist meine Agenda durchgetaktet mit Terminen und Anlässen, dann gibt es wieder Tage, die sich ganz ruhig und offen anfühlen. Eine der wenigen Konstanten ist das Wochenende – und der Tag unter der Woche, an dem mein Partner und ich uns sehen, mal bei mir, mal bei ihm. Umso wichtiger ist mir ein stabiler Start in den Tag. Ich bin eine Frühaufsteherin: Mein Tag beginnt mit einer Yogasession, gefolgt von einer Tasse Kaffee und dem Lesen der Zeitungen – ein ruhiges Ritual, bevor ich ab 8 Uhr meistens im Homeoffice starte oder schon unterwegs bin.

Wo wohnen Sie in Küsnacht?

Seit drei Jahren wohne ich an der Zürichstrasse in Bahnhofnähe, nachdem ich zuvor
22 Jahre in Erlenbach gelebt habe – Küsnacht war jedoch auch in dieser Zeit ein fester Bestandteil meines Alltags.

Wo trifft man Sie mit Vorliebe an?

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten vielseitig – mal kulturell, mal sportlich. Ich geniesse Konzerte, Podiumsdiskussionen oder einen guten Film im Kino genauso wie einen Besuch im Kunsthaus. Auch die Natur und der See geben mir viel – ob für einen Spaziergang oder einfach zum Durchatmen. Und weil Sport im Alter immer wichtiger wird, trifft man mich seit Kurzem auch zweimal pro Woche im Fitnesszentrum. Ein gutes Essen in einem schönen Restaurant gehört für mich ebenfalls zu den kleinen Genüssen des Alltags

Wie ist Ihr familiärer Hintergrund?

Ich bin in St. Gallen aufgewachsen und habe seither in verschiedenen Kantonen gelebt – begleitet von unterschiedlichen Lebensphasen und Familienmodellen. Ich war alleinerziehende Mutter, habe in einer Patchwork- Familie gelebt und bin seit rund 20 Jahren in einer glücklichen Living-Apart-Together-Partnerschaft. Diese Vielfalt an Erfahrungen hat meinen Blick auf das Zusammenleben geprägt – privat wie politisch. Bis zu meiner Pensionierung war ich beruflich voll engagiert und habe 100 % gearbeitet.“

Wie sehen Sie die Rolle der GLP in Küsnacht mit einer Vertretung im Gemeinderat und diversen Kommissionsämtern?

Mit Susanna Schubiger stellt die GLP ein aktives Mitglied im Gemeinderat. Sie ist verantwortlich für das Ressort Gesellschaft, das unter anderem die Bereiche Soziales und Integration umfasst. Darüber hinaus ist die GLP in verschiedenen Kommissionen der Gemeinde vertreten, darunter in der ENAK, der Sozialkommission und der RPK. Diese Beteiligung ermöglicht es der Partei, ihre politischen Schwerpunkte in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Energiepolitik und Partizipation aktiv einzubringen. Ihre Präsenz im Gemeinderat und in den Kommissionen trägt dazu bei, dass Werte wie eine offene, lösungsorientierte Politik und die Bedeutung von Innovation, ökologische Verantwortung und sozialer Ausgewogenheit in der Gemeindepolitik von Küsnacht berücksichtigt werden.

Treten sie bei den nächsten Gesamterneuerungswahlen für den Küsnachter Gemeinderat mit einer zusätzlichen Kandidatin, einem Kandidaten an?

Die GLP Küsnacht befindet sich derzeit in der Findungsphase für die bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen des Gemeinderats. Die Gespräche und internen Abklärungen laufen noch bis Ende Juni. Sobald die Gespräche abgeschlossen sind, werden wir die Entscheide kommunizieren. Bis dahin können noch keine definitiven Aussagen gemacht werden.

Was sind die wichtigsten lokalen Themen für die GLP?

Die GLP Küsnacht setzt sich für eine zukunftsgerichtete Politik ein, die ökologische Verantwortung, soziale Offenheit und ökonomische Weitsicht verbindet. Wir stehen für konkrete Lösungen statt Ideologien – auch auf kommunaler Ebene.

Wir wollen, dass Küsnacht bis spätestens 2040 klimaneutral wird und fördern lokale, erneuerbare Energie sowie energieeffizientes Bauen. Der Erhalt von Grünflächen, sauberem Trinkwasser und der Artenvielfalt ist uns ebenso wichtig wie eine durchdachte Raumplanung, die Küsnachts naturnahes Ortsbild bewahrt und weiterentwickelt.

Bildung hat für uns einen hohen Stellenwert – von der frühkindlichen Förderung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Auch Gesundheit, Sport und Kultur verdienen mehr Unterstützung – insbesondere, wenn es um Prävention und die psychische Gesundheit von Jugendlichen und Erwachsenen geht.

Wir möchten ein Küsnacht, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit im Einklang stehen, mit lebendigen Treffpunkten und attraktiven Freizeitangeboten für alle Generationen. Freiwilliges Engagement ist für das soziale Leben in unserer Gemeinde wünschbar. Wir setzen uns dafür ein, dass es besser sichtbar gemacht und anerkannt wird

Im Kanton Zürich ist die GLP ein sicherer Wert geworden. Trotzdem scheint das Wachstum zu stagnieren. warum?

Ist dem so? Eine gewisse Stagnation kann möglich sein. Die GLP ist eine vergleichsweise junge Partei, die in kurzer Zeit stark gewachsen ist. Es ist ein typisches Entwicklungsmuster, dass auf Phasen schnellen Wachstums auch eine Phase der Konsolidierung folgen kann. Neben internen Faktoren wie Veränderungen in der Parteiführung oder strukturellen Herausforderungen spielen auch externe Einflüsse eine Rolle – etwa die veränderte politische Grosswetterlage, der Fokus der Öffentlichkeit auf andere Themen oder die verstärkte Sichtbarkeit grösserer Parteien in den Medien. Solche Rahmenbedingungen können das Wachstum vorübergehend bremsen, ohne jedoch die langfristige Relevanz oder das Potenzial der GLP infrage zu stellen.

Wann kommt die erste GLP-Bundesrätin?

Gute Frage – wir wären bereit! Ein Sitz im Bundesrat ist für uns ein langfristiges Ziel. Und mit Tiana Angelina Moser hätten wir eine Kandidatin am Start, die politisches Können, Erfahrung und das nötige Stehvermögen mitbringt. Jetzt fehlt nur noch die passende Gelegenheit – wir bleiben dran.